Düsseldorf/Hamminkeln, 24.
Mai 2023 - Eine klare Absage an die Legalisierung
von Cannabis: Die derzeitigen Pläne der
Ampelkoalition für eine künftige weitgehende
Freigabe des Cannabiskonsums in Deutschland stoßen
sowohl unter Ärztinnen und Ärzten als auch bei den
Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in
Nordrhein auf breite Skepsis und Ablehnung – das ist
das Fazit des heutigen digitalen Presse-Briefings
der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO).

V. l. Dr. med. Frank Bergmann, Rudolf Henke, Gerd
Höhner und Dr. med. Carsten König Neben dem
Vorstand der KVNO nahmen auch Rudolf Henke,
Präsident der Ärztekammer Nordrhein, sowie Gerd
Höhner, Präsident der Psychotherapeutenkammer
Nordrhein-Westfalen, an der Pressekonferenz teil.
Suchtpotenzial von Cannabis wird
unterschätzt „Ich bin in höchstem Maße
skeptisch und fürchte, dass die Politik im Falle
einer Legalisierung schwerwiegende Gefahren für die
Gesundheit von Jugendlichen bewusst in Kauf nimmt,“
sagte Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender
der KVNO. „Die Unter-18-Jährigen werden sich die
Droge weiterhin auf dem Schwarzmarkt besorgen. Auch
die Annahme einer sinkenden Drogenkriminalität in
Folge eines legalen Konsums erschließt sich mir
nicht.“
Vor allem das hohe Suchtpotenzial
von Cannabis und die daraus resultierenden
Auswirkungen auf die ambulante Versorgung werden
nach Meinung des KVNO-Vorstandsvorsitzenden in der
momentanen politischen Diskussion massiv
unterschätzt. „Als Neurologe und Psychiater weiß
ich um die Gefahr der Abhängigkeit von der Droge,
insbesondere für Heranwachsende – dies wird sich
auch auf die ambulante psychiatrische und
psychotherapeutische Versorgung auswirken. Sollte
Cannabis tatsächlich flächendeckend legalisiert
werden, rechne ich mit einem deutlich höheren
Behandlungsbedarf bei Suchterkrankungen und
depressiven Störungen, die das schon heute extrem
belastete Versorgungssystem zusätzlich bewältigen
müsste.“
Geltende Richtlinien der
Psychotherapie nicht anwendbar Dass
durch eine Cannabislegalisierung vor allem die
Nachfrage nach psychotherapeutischen Leistungen
zunehmen könnte, fürchtet auch Gerd Höhner. Seine
psychotherapeutischen Kolleginnen und Kollegen im
Land arbeiten bereits heute oftmals am Limit und
könnten den Therapiebedarf seitens der Patientinnen
und Patienten teils nur unzureichend decken.
Ebenso weist der Chef der Psychotherapeutenkammer
darauf hin, dass „die geltenden Vorgaben zur
Durchführung der Psychotherapie, die sogenannte
Psychotherapie-Richtlinie, im Falle einer
Cannabislegalisierung gar nicht umsetzbar sind. Mit
Blick auf die Richtlinien kann und darf eine
ambulante Psychotherapie heute nur erfolgen, wenn
nach maximal zehn Behandlungsstunden eine
vollständige Suchtmittelfreiheit beim Patienten bzw.
der Patientin erreicht werden kann. Dieses Kriterium
würde aber durch einen frei zugänglichen, legalen
Konsum ad absurdum geführt“, so Höhner.
Zusätzliches Suchtmittel zu Tabak und
Alkohol Für den Präsidenten der
Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke, würde eine
Legalisierung von Cannabis die bereits seit Jahren
in der Gesellschaft durchgeführten Anstrengungen für
eine allgemeine Konsumreduzierung von Suchtmitteln
erheblich konterkarieren. „Statt die
Verfügbarkeit und Erreichbarkeit neuer Suchtmittel
zu ermöglichen, sollten wir eher dafür sorgen, dass
Konsumierende, deren Suchtmittelkonsum zu Problemen
führt, möglichst früh effektive Hilfen zur
Reduzierung der mit dem Konsum verbundenen Risiken
und Schäden erhalten. Wir brauchen zeitnah eine
Ausweitung gezielter und evaluierter
Präventionsstrategien ausgehend von den Schulen bis
hinein in die Arbeitswelt, Freizeit und in weitere
Lebenswelten mit dem Ziel, dass insgesamt weniger
Menschen Suchtmittel konsumieren.“
Äußerungen der NRW-Landesregierung begrüßt
Gemeinsam setzen die beiden Kammervertreter
und der KVNO-Vorstand daher auf die jüngsten,
ebenfalls legalisierungskritischen Äußerungen
einiger Bundesländer, darunter Bayern und NRW.
„Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat
zuletzt ja mehrfach seine ablehnende Haltung
gegenüber einem legalen unkontrollierten
Cannabiskonsum kundgetan, zuletzt im Rahmen der
Eröffnung des Deutschen Ärztetages in Essen. „Er
kann sich sicher sein, dass ihn die hiesige Ärzte-
und Psychotherapeutenschaft nach Kräften dabei
unterstützt, eine umfassende Legalisierung zu
verhindern“, so Dr. med. Carsten König,
stellvertretender Vorsitzender der KVNO.
„Andernfalls drohen wir einer Entwicklung Tür und
Tor zu öffnen, deren negative Folgen für die gesamte
Gesellschaft vermutlich immens wären“.
|