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Mülheim/Hamminkeln, 7.
Februar 2026 - Ohrenbetäubend sind die
Geräusche, die die Mitarbeitenden der Baufirma
an der Mintarder Ruhrtalbrücke auf der A52
zurzeit ertragen müssen. Entsprechend gut sind
die Hörorgane auch geschützt. Kalt ist es im
Unterbau der Brücke, von der wärmenden
Frühlingssonne bekommt hier keiner etwas mit.
Und trotz der anspruchsvollen Verhältnisse vor
Ort schreiten die Arbeiten an den
Fahrbahnübergängen zugängiger voran, als
ursprünglich geplant.

Die Fahrbahnübergänge auf der Seite Widerlager
Düsseldorf „Wir liegen zwei Wochen vor dem
Zeitplan“, berichtet Mark Schnell von der
Autobahn GmbH. Er ist Projektleiter in der
Abteilung Bauwerkserhaltung des Konstruktiven
Ingenieurbaus und überwacht die Maßnahme auf der
1860 Meter langen Brücke, die das Ruhrtal bei
Mülheim überspannt. Schnell: „Die Arbeiten an
der Fahrbahnübergangskonstruktion am Widerlager
Düsseldorf werden bereits Anfang nächster Woche
beendet sein, sodass die Baustelle folglich auf
die andere Seite umziehen kann.“
So wird in den kommenden Wochen gesperrt
In der dann folgenden fünften von acht Bauphasen
verläuft der Verkehr in Fahrtrichtung Essen in
der Kalenderwoche (KW) 13 und 14 einspurig:
Seitenstreifen und Lastspur sind gesperrt. In
Bauphase sechs (KW 15) wird die Überholspur in
Fahrtrichtung Essen gesperrt, es bleibt bei
einer Einspurigkeit. In Bauphase sieben (KW 15
bis 17) werden in beiden Fahrtrichtungen die
Überholspuren gesperrt, demnach verläuft der
Verkehr beidseitig nur einspurig. Dabei muss die
Schutzeinrichtung im Mittelstreifen geöffnet
werden. Es schließt Bauphase 7.1 an, bei der die
Überholspur in Fahrtrichtung Düsseldorf gesperrt
wird und der Verkehr dort einspurig verläuft (KW
18). In der letzten Bauphase in KW 19 und 20
werden schließlich der Seitenstreifen und die
Lastspur in Fahrtrichtung Düsseldorf gesperrt,
weswegen es bei einer Einspurigkeit bleibt. Die
zulässige Geschwindigkeit beträgt weiterhin 80
km/h.

Ein Gleitkissen, noch ohne Bügel
Rückblick: Sperrung am 27. Januar Am
27. Januar war die Ruhrtalbrücke in
Fahrtrichtung Essen mit sofortiger Wirkung
gesperrt worden, weil bei einer Kontrolle
aufgefallen war, dass die Übergangskonstruktion
defekt war. Übergangskonstruktionen, die aus
Stahl-Lamellen bestehen, funktionieren wie eine
Ziehharmonika, Brücken können sich durch sie
ausdehnen und wieder zusammenziehen. An der
Ruhrtalbrücke gibt es zwei dieser
Konstruktionen, je eines an der östlichen und
eines an der westlichen Seite. Wegen des dichten
Verkehrs (rund 80.000 Fahrzeuge pro Tag), der
enormen Gewichtsbelastungen (mehr als 4000 der
Fahrzeuge sind über 3,5 Tonnen schwer) und den
Witterungseinflüssen sind sie allerdings einem
hohen Verschleiß ausgesetzt. An solchen
besonderen Bauwerken müssen die
Fahrbahnübergangskonstruktionen regelmäßig
gewartet und spätestens nach zehn bis fünfzehn
Jahren instandgesetzt werden. In diesem
konkreten Fall hatten sich sogenannten
Elastomerkissen von Metallplatten gelöst. Auch
das Steuerelement und Seile waren gerissen. Die
Sperrung der längsten Stahlbrücke Deutschlands
wurde am 4. Februar aufgehoben, da die Autobahn
GmbH Overfly-Elemente aufgebaut hatte, mit der
auch eine defekte Übergangskonstruktion bei
geringer Geschwindigkeit überquert werden
konnte. Gleichzeitig liefen Reparaturen an.
Knifflige Arbeiten Die
aktuellen Arbeiten an der 1966 fertiggestellten
Brücke sind knifflig: Die für Lärmminderung
zuständigen Sinusleisten und die Dichtbänder,
die wiederum dafür sorgen, dass keine
Feuchtigkeit eindringt, müssen zunächst
demontiert werden, um an das Steuerelement zu
gelangen. Fettige Gleitkissen, die unter den
sieben Traversenbügeln je Seite liegen, das
Steuerelement und die Lagerungen werden
erneuert.

Blick unter die Fahrbahnübergänge. Unter den
Bügeln gleitet die Brücke auf den fettigen
Gleitkissen.
KI-gestütztes
Monitoring Die Mintarder Brücke ist
eine von elf Brücken in der Niederlassung
Rheinland, die spätestens ab Mitte 2026 mittels
künstlicher Intelligenz in einem Pilotprojekt
überwacht werden. Beim KI-gestützten Monitoring
erfassen Sensoren fortlaufend die Schwingungen
und Dehnungen einer Brücke. So lässt sich
erkennen, wie sich das Bauwerk unter wechselnden
Belastungen und Witterungsbedingungen verhält.
Der Algorithmus lernt, was für jede Brücke das
„Normverhalten“ ist. Treten Abweichungen auf –
etwa durch Rissbildung, Materialermüdung oder
übermäßige Belastung – gibt das System
automatisch eine Warnung aus. Alle Daten werden
in einem Online-Dashboard mit Ampelfarben
visualisiert und in Echtzeit mit
Handlungsempfehlungen an die Prüfingenieurinnen
und -ingenieure der Autobahn GmbH übermittelt.
So kann bei Auffälligkeiten schnell reagiert
werden. Die Testphase ist auf fünf Jahre
angelegt und soll alle klimatischen Jahreszyklen
abbilden. Nach dem ersten Jahr ist eine
Zwischenauswertung vorgesehen, auf deren
Grundlage über eine mögliche Ausweitung
entschieden wird. Hauptprüfung
steht 2026 an Unabhängig von dem
KI-gestützten Monitoring steht bei der Mintarder
Brücke in diesem Jahr die alle sechs Jahre
notwendige Hauptprüfung an. Mitarbeiter der
Autobahn GmbH prüfen dabei „handnah“ die Brücke
auf „Herz und Nieren“. Dabei legen sie ein
enormes Pensum an den Tag: Nicht nur, dass die
Brücke die längste in der Niederlassung
Rheinland ist, auch ihre 18 Pfeiler, die alle
begehbar sind, sind enorm hoch, nämlich bis zu
60 Meter. Die Prüfung hat keine Auswirkungen auf
den Verkehr, der mittelfristig hier sechsspurig
verlaufen soll. Dafür muss die Brücke neugebaut
werden, was gerade geplant wird. Der Bau soll
nach aktuellen Plänen 2030 beginnen (Details:
https://www.autobahn.de/planen-bauen/projekt/sechsstreifiger-ausbau-zwischen-breitscheid-und-essen-ruettenscheid).
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