|
Wesel/Hamminkeln, 9.
März 2026 - Als der DRK-Blutspendedienst West
(damals noch DRK-Blutspendedienst NRW) vor 75 Jahren
seine Arbeit aufnahm, stand Deutschland vor einem
medizinischen und gesellschaftlichen Neuanfang. In
den Nachkriegsjahren fehlte es an funktionierenden
Versorgungsstrukturen, Material und Organisation –
Blutkonserven waren vielerorts kaum verfügbar. Der
Aufbau eines organisierten Blutspendedienstes
markierte deshalb einen Wendepunkt für das
Gesundheitswesen in Deutschland.

Grundlage war der staatliche Versorgungsauftrag des
Landes Nordrhein-Westfalen: Mit Vertrag vom 28.
Februar 1951 verpflichteten sich die
DRK-Landesverbände Nordrhein und Westfalen-Lippe
gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen, eine
Blutspendezentrale aufzubauen und dauerhaft zu
betreiben. Damit übernahm das Deutsche Rote Kreuz in
Nordrhein-Westfalen früh eine zentrale
gesellschaftliche Verantwortung für die medizinische
Daseinsvorsorge. Die beiden Landesverbände schufen
nicht nur organisatorische Strukturen, sondern
etablierten ein dauerhaft tragfähiges System
freiwilliger, unentgeltlicher Blutspenden – getragen
von ehrenamtlichem Engagement und regionaler
Verankerung.

Der daraus hervorgegangene Blutspendedienst war der
erste in Deutschland, der systematisch eine
organisierte, flächendeckende Versorgung mit
Blutpräparaten aufbaute. Das in Nordrhein-Westfalen
entwickelte Modell wurde später bundesweit
richtungsweisend und prägt bis heute die Strukturen
der Blutversorgung in Deutschland.
„Die
Blutspende war von Beginn an ein Versprechen:
Niemand soll aus Mangel an Blut leiden oder sterben
müssen“, sagt Priv.-Doz. Dr. Lambros Kordelas,
Ärztlicher Geschäftsführer des
DRK-Blutspendedienstes West. „Dieses Versprechen
gilt bis heute – und es ist aktueller denn je.“

Fortschritt, Verantwortung und
Bewährungsproben Was in den frühen
Jahren häufig noch von Improvisation geprägt war,
entwickelte sich parallel zum medizinischen
Fortschritt zu einer hochspezialisierten
Infrastruktur. Heute sind Blutpräparate
unverzichtbar für Krebstherapien, komplexe
Operationen, Organtransplantationen, die Versorgung
schwerverletzter Unfallopfer sowie die Behandlung
von Früh- und Neugeborenen. „Wir können heute
Krankheiten behandeln, die vor 75 Jahren ein
Todesurteil waren“, so Kordelas. „Doch viele dieser
Therapien funktionieren nur, weil Blutkomponenten
Patientinnen und Patienten stabilisieren und
begleiten können. Blutspenden sind keine
Vergangenheit der Medizin, sondern eine
Voraussetzung ihrer Leistungsfähigkeit.“
Die
Geschichte der Blutspende war zugleich immer auch
eine Geschichte großer Herausforderungen. Die
HIV-Infektionen durch Blutprodukte in den
1980er-Jahren markierten einen tiefen Einschnitt für
die Transfusionsmedizin. Die DRK-Blutspendedienste
übernahmen bundesweit eine zentrale Rolle bei der
Einführung verschärfter Sicherheitsstandards, neuer
Testverfahren und verbindlicher
Qualitätsrichtlinien.
Der
DRK-Blutspendedienst West gehörte zu den treibenden
Kräften bei der Implementierung der PCR-Testung in
der Blutspende und leistete damit einen wesentlichen
Beitrag zur heute erreichten hohen Sicherheit von
Blutprodukten in Deutschland. Auch während der
Corona-Pandemie gelang es trotz kurzfristiger
Terminabsagen, organisatorischer Einschränkungen und
großer Verunsicherung, die Versorgung der Kliniken
stabil aufrechtzuerhalten. Diese Erfahrungen
prägen die Arbeit bis heute: Sicherheit, Qualität
und Krisenfestigkeit stehen im Zentrum des Handelns.
Demografischer Wandel gefährdet die
Basis der Versorgung Gleichzeitig wächst
der Druck auf das System. Mit einer älter werdenden
Gesellschaft steigt der Bedarf an Blutpräparaten,
während die Zahl aktiver Spenderinnen und Spender
sinkt.
„Jede Generation braucht ihre eigenen
Blutspenderinnen und Blutspender“, betont Dr. Holger
Praßel, Kaufmännischer Geschäftsführer des
DRK-Blutspendedienstes West. „Die Generation der
Babyboomer, die die Versorgung jahrzehntelang
getragen hat, scheidet zunehmend aus. Jüngere
Menschen haben heute mehr Optionen und
konkurrierende Engagementmöglichkeiten. Das spüren
wir konkret – bis hin zu Phasen, in denen die
Versorgung der Kliniken zeitweise unter Druck
gerät.“
Innovationen für eine stabile
Zukunft Der DRK-Blutspendedienst West
reagiert auf die veränderten gesellschaftlichen
Rahmenbedingungen mit gezielten Innovationen in
Organisation, Infrastruktur und Technologie. Ziel
ist es, die Blutspende langfristig zuverlässig
sicherzustellen und zugleich möglichst
niedrigschwellig zu gestalten.

Dazu zählen neue Formate wie Pop-Up-Blutspenden in
urbanen Zentren oder stark frequentierten
Einrichtungen, die neue Zielgruppen erschließen und
Blutspende stärker in den Alltag integrieren.
Parallel investiert der Blutspendedienst in moderne
mobile Spendeeinheiten („Blumos“), die flexiblere
Einsätze und effizientere Abläufe ermöglichen und
damit die flächendeckende Präsenz sichern.
Ehrenamt als Fundament seit 75 Jahren –
getragen vom DRK vor Ort Unverändert
geblieben ist die zentrale Rolle des Ehrenamts – und
damit die besondere Stärke des Deutschen Roten
Kreuzes in Nordrhein-Westfalen. Tausende Helferinnen
und Helfer in DRK-Ortsvereinen und Kreisverbänden
organisieren Blutspendetermine, sprechen Menschen
persönlich an und schaffen Vertrauen in ihren
Gemeinden.

Gerade diese enge Verbindung aus professioneller
medizinischer Infrastruktur und ehrenamtlicher
Verwurzelung vor Ort machte den Aufbau der
Blutversorgung überhaupt erst möglich. Die
DRK-Strukturen in Nordrhein und Westfalen-Lippe
sorgten bereits in den Anfangsjahren dafür, dass
Blutspende nicht nur ein medizinischer Prozess,
sondern eine gesellschaftliche Gemeinschaftsaufgabe
wurde. „Ohne das Ehrenamt gäbe es keine
flächendeckende Blutversorgung“, sagt Praßel. „Die
persönliche Ansprache, die Verlässlichkeit vor Ort
und die Verwurzelung in den Kommunen sind bis heute
ein entscheidender Erfolgsfaktor.“

Zur Stärkung dieses Engagements hat der
Blutspendedienst ein eigenes Ehrenamtsportal
eingeführt, das Organisation, Austausch und
Qualifizierung digital unterstützt und damit die
traditionelle Stärke des DRK mit modernen
Arbeitsweisen verbindet.
Jubiläum als
Bilanz und Auftrag Zum 75. Jubiläum
zieht der DRK-Blutspendedienst West eine bewusst
nach vorn gerichtete Bilanz. „Wir arbeiten auf
Basis von 75 Jahren Erfahrung, Verantwortung und
Vertrauen“, sagt Kordelas. „Die medizinische Zukunft
ist gesichert – sofern es uns gelingt, das
Engagement der Menschen mit der medizinischen
Entwicklung im Einklang zu halten. Blutspende bleibt
eine Gemeinschaftsaufgabe.“
|